Bac Ha

Unsere eigentliche Abenteuerreise im Norden von Vietnam hat begonnen. Um halb neun abends werden wir in Hanoi von einem Guide abgeholt, der uns zum Nachtzug nach Lao Cai bringt. Er ist etwas entsetzt über unsere 3 Gepäckstücke und bezweifelt, dass diese in das Viererabteil des Zuges passen. Wir schauen uns nur an und denken, das fängt ja schon gut an. Gott sei Dank lösen sich unsere Sorgen auf, das Zugabteil teilen wir mit 2 reizenden englischen Schwestern, die nicht älter als 20Jahre aussehen und uns kichernd begrüßen. Ich bin total erleichtert, nicht mit solchen Schnarchnasen zusammenliegen zu müssen. Da die beiden als Backpacker unterwegs sind, bekommen wir unsere Koffer außerdem super unter.

Über die Zugfahrt an sich nur soviel, wer schnell seekrank wird, wird nur eine kurze Nacht haben. Ich komme mir vor wie auf der Holzachterbahn von Movie World. Allerdings gehen frühzeitig überall die Lichter aus und es ist angenehm ruhig. Ich meine, auch mal das Auge zugemacht zu haben…..Roland schläft natürlich tief und fest über mir im Etagenbett. Um halb sechs morgens haben wir dann die Endstation von Lao Cai erreicht. Die Gesamtstrecke beträgt ca. 350km, bei einer Dauer von 9Stunden. Da kann man sich bildlich den Zustand der Gleise vorstellen, mußte ich aber glücklichweise nicht, weil es stockdunkel war.

Am Bahnhof holt uns unser sympathischer Guide Huy vom Reiseunternehmen Handspan ab, der uns nun die ganze Tour begleiten wird. Nach einem Frühstück im benachbarten Lokal packen wir die Koffer in einen Ford Ranger (so viel Platz!!!) und fahren los. Das wir uns so nah zu China befinden, ist mir gar nicht mehr bewußt. Wir kommen an dem Grenzfluss vorbei und beobachten, wie um Punkt 7Uhr die Vietnamesen sprichwörtlich über die Brücke rennen, um etwa einen guten Verkaufplatz für ihre Ware zu erlangen oder einen vorderen Platz als Käufer zu ergattern.

Unser Ziel ist heute Bac Ha, wo wir in einem Homestay bei Na Tha übernachten. Auf dem Weg dorthin kommen wir überraschenderweise noch an einem Markt vorbei, den wir uns natürlich ansehen wollen. Ich weiß nicht genau, ob wir oder die Einheimischen mehr gestarrt haben. Meine hellen Haare scheinen auf jeden Fall genügend Diskussionsbedarf bei den Damen hervorzurufen…wenn ich sie freundlich anlache, fangen sie an zu kichern. Das ist schon etwas skurril.

Nach einem Lunch in Bac Ha erreichen wir unsere heutige Herberge. Das Homestay ist ein großes Holzhaus, unten ziemlich karg eingerichtet mit einem Tisch und einem Bett des Besitzers, das offene Dachgeschoss wird durch Tücher in einzelne Schlafbereiche unterteilt. Dünne Matrazen und Bettdecken liegen bereit, ebenso ein Moskitonetz. Wir sind angenehm überrascht, auch das Badezimmer kann ohne weiteres genutzt werden. Wir freuen uns, die beiden Engländerinnen wieder zu sehen, deren erste Etappe auch hier endet. Zusammen legen wir uns bis nachmittags aufs Ohr, um unseren Schlafbedarf nachzuholen. Nachmittags machen wir noch einen 2stündigen Walk durch das Valley und bekommen erste Einblicke über die hier lebenden Minderheiten, die Flower Hmong. Unser Guide bittet uns unter Zustimmung der Gastgeber in einige Häuser herein, was wir natürlich gerne annehmen. Die Menschen hier sind sehr gastfreundlich. In welchen armen Verhältnissen sie aufwachsen, kann man hier eigentlich nicht in Worte fassen. Wer Im Bayrischen Wald schon mal ein Freilichtmuseum besucht hat, kann in etwa ermessen, wie es hier noch aussieht. Eine große Familie ist wichtig, damit alle anpacken und der Unterhalt gesichert ist. Gearbeitet wird z.B. auf Maisfeldern, die Männer bearbeiten mit Hilfe von Büffeln den Ackerboden.

Die Saatausgabe und das Düngen sowie auch das Aufbrechen der Grasnarben haben wir von den Frauen und Kinder beobachten können. Im Wohnhaus wird aus dem Mais oft hochprozentiger Schnaps hergestellt. Wir werden auf einen Kurzen immer freundlich eingeladen. Mehr als Nippen können wir nicht, der Alkohol steigt uns sofort in den Kopf. Unser Guide übersetzt uns dann einzelne Gesprächsfetzen mit den Gastgebern, aber alleine das Lauschen der fremden Sprache und das Verinnerlichen dieses harten und einfachen Lebens beeindrucken uns sehr.

Von unserem Homestay in Na Tha starten wir nun zu viert unsere Trekkingtour. Zu uns gesellt sich noch ein Local Guide. Ngan wird uns die ersten beiden Tage durch die Mais und Reisfelder führen auf Wegen, die man nicht unbedingt als Wege sofort erkennt. Er ist ein ruhiger aber unheimlich freundlicher Mann, der leider kein englisch spricht. Aber man versteht sich aus so. Außerdem werden wir erleben, wir er uns das vorzügliche vietnamesische Essen zubereitet. An einem Abend leisten wir ihm dabei Gesellschaft. So primitiv die Räume und Utensilien auch aussehen mögen, das Essen ist immer superfrisch und wir vertragen hier alles ohne jegliche Probleme.

Unser erster Tag führt uns steil bergauf und bergab bei ca. 12km Streckenlänge. Das Wetter ist leider regnerisch und mit 12Grad sehr kühl. Die Wege sind total verschlammt, wir sind froh, dass wir unsere hohen Bergwanderschuhe mithaben und unsere warmen Schlafsäcke für die Nächte ohne jegliche Heizung. Zum Mittag öffnet Ngan seinen Rucksack und zaubert ein westlich geprägtes Lunch vom Feinsten. Französische Baguettes, dazu Schweinefleisch, Schmelzkäse, Tomaten und Salatgurken, einheimische Früchte. Wir hauen rein, so lecker schmeckt unser frisch zubereitetes Sandwich. Auf unserer Tour erfahren wir etwas über die ansässigen Tay, die Hmong sowie die Phu La People. Das nachmittags erreichte Homestay ist wieder ein großes Holzhaus im Dorf Ta van Chu. Wir sind mittlerweile auf 1460m Höhe und es ist bitterkalt. Schnell im Schlafsack eingemummelt warten wir auf das Dinner. Abends besuchen wir noch das elterliche Haus unseres jungen Gastgebers ganz in der Nähe. Überall laufen Hühner mit ihren Küken, Hunde mit Welpen, Schweine und Büffel frei herum. Das reinste Tierparadies und ich natürlich total verzückt. Roland muss unendlich viele Bilder schiessen….

Am nächsten Morgen können wir es gar nicht glauben, blauer Himmel und warme Temperaturen. Wir erhoffen uns schöne Landschaftsaufnahmen und trocknen Lehmboden für unsere total verdreckten Schuhe und Hosen.

Heute werden wir 15km wandern. Nach Reis mit Gemüse zum Frühstück geht es los. Wir bleiben lange auf dem hohen Niveau und haben tolle Aussichten über die angelegten Hänge.

Hier finden wir die so typischen Bilder von Vietnam. Wir haben bis jetzt noch nicht einen Nichtvietnamesen getroffen, das war genau das, was wir wollten. Reisen abseits vom Tourismus. Phantastisch. In Lau thi Ngai machen wir mittags eine Rast wie immer mit einem leckern Lunch. Auf dem Weg dorthin begegnen uns viele Schulkinder.

Die Sonne steigt mittlerweile immer höher und wir erreichen Temperaturen bis 26Grad. Nach dem gestrigen Tag ein Sprung von 14Grad. Ich bin geschlaucht. Die Hitze macht mir wie immer sehr zu schaffen. Trotz Mütze brennt mein Kopf und ich werde müde. Die steilen unwegsamen Wege hören nicht auf und ich frage vorsichtig nach, wann wir das Ziel erreichen. Nur noch eine Stunde heißt es. Unser Guide nimmt seine Arbeit sehr ernst und fragt ab jetzt immer besorgt nach, ob es mir noch gutgeht. Ich muss nachher schon lachen. Die Stunde ist dann doch schnell geschafft und wir erreichen das Dorf Lung Phinh. Eine Runde Cola und Limonade für alle und dann noch eine Strasse weiter auswärts gelaufen, finden wir uns bei einer Famile ein, die ihr Haus ebenfalls als Homestay zur Verfügung stellt. Wir sind total durchgeschwitzt und schmeißen uns erst einmal unter die Dusche. Es gibt sogar Wifi, was uns hocherfreut. Da es so schön warm ist, setzen wir uns gemütlich vor das Haus und schauen Bilder und schreiben Blog.