Der Campingplatz am Mittelmeer hatte schon einen interessanten Flair was die Nachbarn und ihre Einrichtung am Platz anging. Es sah ein wenig so aus, als würden einige Gäste ihr Zelt dort für immer aufgeschlagen haben. Sehr freundlich und entspannt – man rauchte sich gerne eine Tüte, während man es sich in Schrebergarten Atmosphäre gutgehen ließ. Uns ging es auch gut weil die Schalker 0:0 gegen die Bayern gespielt haben!
Am nächsten Morgen entschieden wir uns spontan zu einem Abstecher in die Provence, von der ja immer so Viele schwärmen. Hier wollten wir das am Steilhang gelegene Örtchen Gordes, u.a. als eines der schönsten Dörfer Frankreichs prämiert, besuchen. Es ist Sonntag und natürlich viel los. Auch Deutsche sind wieder mehr vertreten, nachdem wir den ganzen Urlaub fast alleine waren. Den LKW auf einem Busparkplatz abgestellt schlendern wir durch die Gassen, gehen lecker essen und besuchen das kleine Schloss sowie die Kunstausstellung. Hier war es so schön kühl drin……
Gesättigt und matt kehren wir zu dem Parkplatz zurück und wollen in dem nördlich nur 1,5km entfernten Campingplatz übernachten. In den touristischeren Gebieten findet man kaum Stellplätze sondern fast nur Campingplätze und hier auf dem Weg nach Gordes mit traumhaft gelegenen Häusern versteckt hinter hohen Zäunen und Toren, scheinen mir Camper nicht so beliebt. Ja, leben, kann man hier anscheinend gut. Allerdings aktuell im Hochsommer sieht es aufgrund der verblühten Lavendelfelder nicht anders aus als in der Toskana/Umbrien. Auf dem Fahrweg durch Gordes müssen wir an einer Ampel halten und von hinten kommen laute Rufe immer näher. Ein Mann an der Fahrertür zückt hektisch ein Handy und fotografiert Roland. Wir schauen uns sprachlos an und sind uns auch keiner Schuld bewusst. Weder wurden Gewichtsbegrenzungen von uns übersehen noch irgendwelche anderen Fahrverbote und unter 7,49t dürfen wir auch sonntags fahren. War ein wenig unheimlich und der Kollege wohl auch nicht auf seinem Posten, wenn er wegen der Baustelle Sorgen hatte und erst zu uns rennen musste…naja, wir kamen am Campingplatz wohlbehalten an und ergatterten dort noch einen der letzten freien Plätze. Während wir auf der ganzen Fahrt viele positive Zusprüche zum LKW bekommen haben, wirkt es hier in der Provence etwas anders. Vielleicht kommen wir noch ins Fernsehen???
Am nächsten Tag möchten wir noch das nahegelegene Abbaye Notre-Dame de Senanque besuchen, welches im Frühsommer sicherlich herrlich von blühenden Lavendelfeldern umgeben ist aber auch im September eine schöne Anlage darstellt. Na klar kaufe ich den Mönchen auch Lavendelprodukte ab…die Duftkerze erfreut uns abends auf dem Campingtisch.
Der Weg vom Kloster Richtung Monieux hat meinen Blick auf die Provence wieder etwas besänftigt. Tolle Schluchten und enge kurvige Straßen in einer immer einsamer werdenden Landschaft erfreuen unser Fahrerherz und dabei nähern wir uns immer mehr dem Mont Vieux an, mit über 1900m Höhe und dem hellen Gipfel ein schon von weiten sichtbarer Berg.
Nach einer langen Mittagspause wollen wir uns mal wieder einen Winzer suchen, bei dem wir auf dem Grundstück übernachten können. Es gibt einige im Bereich von Carpentras und Orange. 2 sind wir angefahren und wir wissen ehrlich gesagt nicht, warum die eine 5 von 5 Bewertung bekommen haben. In der Hitze gab es beim ersten Biowinzer nur normale Parkplätze ohne irgendwelche Schattenbäume, bei denen ein Kauf von 3 Weinflaschen zum Obulus gehören sollte; der nächste Platz sah total wild und unaufgeräumt aus und wir wurden hier erst gar nicht empfangen. Also doch lieber einen kleinen Campingplatz, den wir dann ca. 15km nördlich finden. Wir freuen uns auf eine ausgiebigen Dusche nach der langen schwitzigen Fahrt und köpfen die nächste Flasche Wein. Man muss eben immer wissen, wie man den Tag retten kann 🙂
Eigentlich wollten wir ja gerne noch einmal Kajak fahren, z.B. auf der Ardeche. Aber die Hitze und Trockenheit hat aus dem Fluss ein fast schon ausgetrocknetes und steiniges Flussbett gemacht. So schlimm hätten wir uns das nicht vorgestellt. Damit fällt die bestimmt sehr schöne Strecke zwischen den Dörfern Vogüe, Balazuc und Pradons leider aus und muss auf einen nächsten Urlaub warten. Morgen werden 10Grad kältere Temperaturen erwartet. Vielleicht ist da auch mal wieder eine Wanderung möglich? Roland hat uns schon was ausgesucht. Ich werde berichten…